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Westdeutscher Zucht- und Rassehunde Verein e.V - Rund um den Hund
letzte Aktualisierung: Dienstag, 19. Januar 2010 - 23:07
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Entzündungen der Eichel (Balanitis/Balanoposthitis
Dr. med. Geoff Hackett
Was ist eine Balanitis?
Eine Balanitis bezeichnet die Entzündung der Eichel, wobei die Vorhaut meist mitbetroffen ist (Balanoposthitis).
Eine Balanitis ist häufig die Folge einer unzureichenden oder übertriebenen Genitalhygiene. Begünstigend wirkt sich auch eine Vorhautverengung (Phimose) oder eine gleichzeitig bestehende Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) aus. Eine Balanitis kann auch im Rahmen verschiedener Infektionen sowie bei Geschlechtskrankheiten auftreten.
Im Fall einer chronischen Balanitis ist eine Verhärtung der Vorhaut möglich, die zu einer Vorhautverengung führen bzw. eine bestehende Einengung verstärken kann.
Welche Ursachen kann eine entzündete Eichel haben?
Die häufigsten Gründe sind:
Fehlende oder unzureichende Hygiene: Wird die Eichel unter der Vorhaut nicht regelmäßig gereinigt, führt dies zu einer Ansammlung von Smegma und einer übermäßigen Ansammlung von Keimen. Smegma ist eine natürlich vorkommende weißlich-gelbe, talgige Absonderung der Eichel- und Vorhautdrüsen beim Mann.
Die Reinlichkeitsbalanitis entsteht durch übertriebene Reinlichkeit - das Glied wird täglich ein oder mehrmals mit Seife gewaschen. Dadurch kommt es zu einer starken Entfettung und Schädigung der Eichel-Haut. Diese Form der Entzündung kann sehr oft chronisch werden. Häufig wird sie fälschlicherweise als Pilzerkrankung behandelt.
Vorhautverengung (Phimose): Eine Vorhautverengung verhindert, dass die Eichel entsprechend gereinigt werden kann, und fördert damit die Entstehung einer Entzündung.
Eine Balanitis kann aber auch als Begleiterkrankung bei sexuell erworbenen Erkrankungen auftreten (z. B. bei Condylomata acuminata, Gonorrhoe, Chlamydien-Infektion, Soor etc.). Beim Geschlechtsverkehr wirken mechanische Faktoren (Reibung) und das Entstehen kleinerer Verletzungen begünstigend.
Chemische Agentien (z. B. Kondome, die mit einem spermienabtötenden Mittel versehen sind) können zu so genannten Kontakt-Balanitiden führen.
Ein bestehender Diabetes mellitus fördert die Entstehung von Entzündungen.
Verschiedene Hauterkrankungen können Infektionen an der Eichelhaut begünstigen oder nicht-infektiöse Entzündungen an Eichel und Vorhaut hervorrufen. Dazu gehören unter anderem Schuppenflechte (Psoriasis), seborrhoische Dermatitis und Pemphigus vulgaris.
Sonderformen sind:
Lichen sklerosus et atrophicans (Balanitis xerotica obliterans, weißliche Verfärbung der Vorhaut): Dieser Zustand betrifft hauptsächlich die Vorhaut; es kommt zu einer weißlichen Verfärbung, zu Narbenbildung und einem Dünnerwerden der Vorhaut sowie zu einer Vorhautverengung, was oft eine Beschneidung notwendig macht. Auch die Eichel kann davon betroffen sein. Ist die Harnröhrenöffnung mitbetroffen, so kann es zu Reizungen und Brennen kommen. Oft muss ein chirurgischer Eingriff einer Verengung der Harnröhre vorbeugen. Steroidhaltige Salben können die Reizungen zwar lindern, diese Behandlung ist meistens aber sehr langwierig.
Kreisförmige Entzündung der Eichel: Dies ist ein Symptom der Reiter-Krankheit; die Betroffenen leiden oft gleichzeitig an Harnröhrenentzündung (Urethritis), Gelenksentzündungen (Arthritis, meist der unteren Extremitäten), sowie einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis).
Zoon Balanitis oder Plamazell-Balanitis: Diese chronische Eichelentzündung tritt meist erst nach dem 50. Lebensjahr auf. In Gewebeproben finden sich reichlich Plamazellen. Ein Erreger ist meist nicht nachweisbar.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Balanitis ist eine rötliche Veränderung der Haut an der Eichel, der Vorhaut oder dem Penisschaft. Diese Entzündung kann jucken, brennen oder Schmerzen verursachen. Manchmal nässt der rötliche Ausschlag und fühlt sich wund an, in anderen Fällen entsteht ein Geschwür, das dann später zerfällt. Unter der Vorhaut können sich übel riechende Ablagerungen bilden oder es entsteht ein begleitender Ausfluss.
Diese unterschiedlichen Beschwerden können sich auch nacheinander entwickeln. Auch viele andere Hauterkrankungen können sich am Glied zeigen; das Spektrum reicht von Hefepilz über Schuppenflechte bis zum Hautkrebs.
Wie wird eine Balanitis diagnostiziert?
Eine Balanitis kann verschiedene Ursachen haben. Da sich die Entzündungen in ihrem Aussehen teilweise deutlich voneinander unterscheiden, kann der Arzt (Hautarzt oder Urologe) häufig schon nach der körperlichen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose stellen.
Um den Erreger zu identifizieren, wird nach den europäischen Leitlinien der International Union against Sexually Transmitted Infections* zuerst ein Hautabstrich abgenommen. Lässt sich unter dem Mikroskop kein Keim nachweisen, wird eine Kultur angelegt. Darin kann nach einigen Tagen erkannt werden, ob sich dort ein Bakterium oder Pilz vermehrt.
Darüber hinaus wird eine Harnprobe gewonnen und der Urin auf Glucose und Bakterienbefall untersucht. Vor allem bei wiederkehrenden Entzündungen sollte der Blutzucker untersucht werden. Damit wird untersucht, ob nicht ein Diabetes für die Eichelentzündung mitverantwortlich ist.
In seltenen Fällen werden unter anderem bei weißlichen Veränderungen (Lichen sklerosus), HPV-Infektionen oder zum Ausschluss von Peniskrebs kleine Gewebeproben entnommen
Bei einer Infektion sollte auch die Ehefrau oder andere Geschlechtspartner untersucht und behandelt werden; sonst kommt es zum "Ping-Pong"-Effekt mit immer wiederkehrenden Ansteckungen.
Wie wird eine Balanitis behandelt?
Die Behandlung ist abhängig von der Ursache der Entzündung. Voraussetzung ist eine entsprechende Körper- und Genitalhygiene (tägliches Waschen mit lauwarmem Wasser). Scharfe Seifen, Detergentien und sonstige Waschhilfsmittel sollten vermieden werden. Kamillesitzbäder können die Behandlung unterstützen.
Gemäß den europäischen Leitlinien der International Union against Sexually Transmitted Infections* erfolgt bei einer Infektion zumeist eine lokale Behandlung mit Antibiotika oder pilztötenden Mitteln. Nur gegen bestimmte Erreger reicht die äußerliche Anwendung nicht aus und die Antibiotika müssen in Tablettenform eingenommen werden. Im Falle eine HPV-Infektion wird eine Creme auftgetragen, die entweder 5-Fluorouracil oder Podophyllotoxin enthält. Bei allen infektionen sollte möglichst auch die Partnerin oder der Partner mitbehandelt werden.
Ist eine Schwäche des Immunsystems bekannt, z.B. bei Diabetes, schwerer Alkoholkankheit, Chemotherapie, längerer Einnahme von Kortisonpräparaten oder AIDS, ist die Gefahr erneuter Infektionen erhöht. Dann sollte nach der Behandlung eine ärztliche Nachuntersuchung erfolgen.
Bei nicht-infektiösen Ekzemen oder Entzündungen der Haut werden für kurzzeitige Behandlungen milde bis mäßig starke kortisonhaltige Salben eingesetzt.
Oft wiederkehrende Entzündungen sowie entstandene Vorhautverengungen erfordern mitunter eine Beschneidung, um einem Wiederauftreten der Entzündung vorzubeugen. Nur in Ausnahmefällen muss eine Einengung der Harnröhrenöffnung an der Eichel operativ erweitert werden (Meatotomie).
Quellen
*European branches of the International Union against Sexually Transmitted Infections (IUSTI), and of the WHO: European guideline for the mangement of balanoposthitis (International Journal of STD & AIDS 2001; 12 (Suppl. 3): 68-72); Hautmann, Huland: Urologie
Redaktion Dr. med. Johannes Pichler
Aktualisierung 03.04.2007
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